"... Papa, wie war das damals?"

Dass ich mich – wie die meisten von uns – nicht an meine früheste Kindheit erinnern kann, ist eine Tatsache, die mich hin und wieder beschäftigt. Es wäre so bereichernd zu wissen, wie das Leben in den ersten Jahren aussah, wie Eltern und Geschwister waren und natürlich wie man selbst war, welche Charakterzüge man hatte, was man gesagt und wie man sich verhalten hat; um quasi ein vollständigeres Bild von sich selbst als Mensch zu haben.

 

Warum können wir uns aller Regel nach nicht an unsere früheste Kindheit oder gar unsere eigene Geburt erinnern? Die wohl am meisten verbreitete Theorie führt entwicklungsphysiologische Gründe an: um sich an Erlebtes zu erinnern, müssen wir ein Konzept von uns selbst haben, die Regelhaftigkeit der Welt kennen und über ein ausreichendes Sprachvermögen verfügen. Dies ist erst im Alter von vier bis fünf Jahren der Fall. Die meisten Menschen können sich an Dinge aus ihrer Kindergartenzeit erinnern, so auch ich. 

 

Einige Menschen behaupten allerdings fest, sich an Dinge erinnern zu können, die weit vor diesem Alter lagen. Meine eigene Theorie dazu lautet, dass in den meisten Fällen eine Verklärung durch die Erzählungen der Verwandten stattgefunden hat. Man meint sich selbst erinnern zu können, aber letztlich sind es nur Bilder, die die wiederholenden Erzählungen anderer in unserem Kopf erzeugt haben, deren Ursprung wir aber unserer eigenen Erinnerung zuschreiben.

 

Wie schön wäre es, wenn es einen Ort gäbe, an dem ich mich zurück in meine Babyjahre versetzen könnte! Es gibt lediglich ein paar Schwarz-Weiß-Fotos von meiner Kindheit – wertvolle Momentaufnahmen, über die ich mit meinen Eltern auch hin und wieder spreche. Aber wie war meine Entwicklung und wie sah unser Familienalltag aus? Das hätte ich gern gewusst! Genau deswegen habe ich das 6-Jahres-Babytagebuch entworfen. Es ist ein Schaufenster in die früheste Kindheit, was beim Lesen viele „Ach so war das damals!“ – bei Kindern und Eltern gleichermaßen – verursachen dürfte.

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